insel_widgetDas Buch ist vergriffen und kann nicht mehr bestellt werden.

Miranda und ihr Vater, der Zauberer Prospero, sind in die Verbannung auf eine Insel geschickt worden. Dort entdecken sie Kaliban, ein wildes Geschöpf, Sohn der Hexe Sycorax. Miranda und Prospero zähmen den Wilden, lehren ihn, mit Worten umzugehen. Doch er lernt auch Lüge und Falschheit. Und er verliebt sich in Miranda.

Fünfundzwanzig Jahre später – Miranda ist jetzt Königin von Neapel – erscheint eines Nachts ein Fremder in ihrem Gemach. Es ist der wilde Kaliban, dem es gelungen ist, seine Insel zu verlassen. Er ist gekommen, Rache an Miranda zu nehmen, die ihn einst verschmäht hat.

Tad Williams, der Meistermärchenerzähler, gibt Kaliban, der wohl geheimnisvollsten Figur, die Shakespeare geschaffen hat, neues Leben, macht sie zu einem bemitleidenswerten Wesen voller Tragik.

Acht wunderschöne, zarte Bleistiftskizzen des Autors illustrieren die Geschichte.

Was denkt Tad Williams über dieses Buch:
Tad über »Die Insel des Magiers«

Pressestimmen

»… Die Insel des Magiers ist Fantasy, so wie sie sein soll: Offen gegenüber realen und magischen Welten, hintergründig, mancherorts ironisch, stilsicher in Szene gesetzt und spannend, (selbst wenn Kalibans nächtlicher Monolog 186 Seiten füllt).

das zeigt wieder: Tad Williams ist ein Spurensucher und ein Geschichtenerzähler, dem kein Inselschicksal verborgen bleibt.«
Siggi Seuss (Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003)

»Der amerikanische Bestsellerautor ist ein Jäger und Sammler, ein Jongleur mit Informationen und Geistesblitzen. Ein Visionär wie Stephen Hawking. Ein Erzähler wie sein britischer Kollege Philip Pullman. Ein Ironiker wie Douglas Adams. Ein Weltenhüter wie Tolkiens Tom Bombadil.«
Sigi Seuss/DIE ZEIT

Leseprobe
In den Spalten zwischen den Steinen des großen Schloßtores barg sich die Nacht.

Zwei Wächter unterhielten sich leise, die Piken gesenkt und die Mäntel gegen die Kälte fest um sich geschlungen. Als sie sich schließlich vor dem frostiger werdenden Wind in den Torweg verzogen, löste sich ein massiger Schatten von der Dunkelheit wie ein abgerissenes Stück von einem schweren schwarzen Samtvorhang und kletterte im Winkel zwischen Turm und Tor flink nach oben. Nach wenigen Herzschlägen war er schon hoch über den frierenden Wächtern und krabbelte an der Front des Torbogens hinauf wie eine Spinne.

Dunkle Finger krallten sich in die stummen Köpfe der Statuen. Mit mächtig arbeitenden Muskeln zog sich die Gestalt empor, wobei sie die kleinsten Erhebungen der Reliefs als Handgriffe und Trittflächen ausnutzte und die ehrwürdigen Steingesichter von Heiligen und Fürsten begrapschte. Endlich war der Bogen erklommen, und mit wehendem Mantel richtete der Kletterer sich auf, vom Mondlicht schwach versilbert.

Während er regungslos dort stand und auf die innere Feste des Castel Nuovo hinabblickte, erinnerte er in seiner Haltung, in den gebeugten Schultern und der Krümmung der langen, mächtigen Arme, ein wenig an einen Affen. Und animalisch wirkte auch die Art, wie er sich vorbeugte, starr und gespannt wie ein jagendes Raubtier, das die Beute wittert.

Die oberen Fenster der Feste schimmerten wie Augen, doch es waren blinde Augen. Niemand schlug Alarm, als die Schattengestalt in die Hocke ging und mit dem Abstieg in den Innenhof begann.