shadowmarch_quar_burg400Die Qar, jenes geheimnisvolle Zwielichtvolk, lebte über ganz Eion verstreut, vor allem aber im Norden des Kontinents. Ihre mächtige Festung liegt weit droben im äußersten Norden.

Es ist nicht gut, unvorsichtig durch Qul-na-Qar zu wandern, dieses älteste aller Bauwerke (dessen Steine, wie es heißt, vor so vielen Ewigkeiten gebrochen wurden, daß die junge Erde noch warm war).
In den Tiefen von Qul-na-Qar liegt eine Halle. Sie ist so groß, daß es eine Stunde dauern würde, sie zu durchmessen, oder jedenfalls wirkt es so. Erhellt ist sie von zahllosen Fackeln, aber auch von anderen, ungewöhnlicheren Lichtern, die wie Glühwürmchen unter dem dunklen, zum Abbild von Stechpalmen- und Schwarzdornästen geschnitzten Gebälk glimmen. An beiden Längswänden reihen sich Spiegel, jedes Oval so dick mit Staub bedeckt, daß man kaum damit rechnen würde, darin auch nur den schwächsten Widerschein der Funkellichter und Fackeln zu erblicken, aber noch erstaunlicher ist, daß in dem trüben Glas auch andere, dunklere Formen erkennbar sind. Diese Schemen sind auch dann da, wenn die Halle leer ist.
Jetzt ist die Halle nicht leer.
Vier kapuzenverhüllte, menschenähnliche Gestalten bringen eine Trage aus dem Schattendunkel hinter den Zwillingsthronen und setzen sie zu Füßen des Königs ab. Darauf liegt, zusammengekrümmt, etwas, das aussieht wie ein männliches Menschenkind; das feine, strohblonde Haar klebt in feuchten Kringeln um das schlafende Gesicht. Der König beugt sich vor, als ob er trotz seiner Blindheit das Kind betrachten und sich seine Züge einprägen wollte. Er greift in seine grauen Gewänder, die einst prächtig waren, jetzt aber sonderbar fadenscheinig und fast so staubig wie die großen Spiegel sind, und zieht einen kleinen Beutel an einer Schnur hervor, die Art Säckchen, in der ein Sterblicher vielleicht ein Amulett oder heilkräftige Kräuter um den Hals tragen würde. Ynnirs lange Finger streifen dem Knaben behutsam die Schnur über den Kopf, schieben dann den Beutel unter sein grobes Hemd, auf die schmale Kinderbrust. Dabei singt der König leise und monoton vor sich hin. Nur die letzten Worte sind laut genug, daß man sie versteht.

Bei Stern und Stein, es ist getan
Nicht Stein noch Stern vereiteln soll den Plan

Was er nicht sagte, was aber dennoch wahr ist: Das, was hier beginnt, ist das Ende der Welt.

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