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Yasammez und ihre Burg

Yasammez war für den Krieg und den Tod gemacht.

Yasammez war nicht ihr richtiger Name. Diesen kannten nur wenige Lebende. Manche jüngeren Qar nannten sie Fürstin Stachelschwein. Andere schauderte es, wenn dieser Name fiel, weil er zufällig so viel Wahrheit enthielt – sie hatten schon gesehen, wie sie in Augenblicken wilder Wut eine Art dunkles Stachelkleid hervortrieb, eine Hülle aus Phantomdornen. Es hieß, sie habe in ihrem ganzen Leben nur zweimal gelacht. Und es hieß, daß sie zum dritten Mal lachen würde, wenn der letzte Mensch starb oder sie selbst ihr Leben aushauchte.

Keine der Geschichten sagte Genaueres darüber, wie ihr Lachen klang, nur, daß es schrecklich war.

Shenen, der schreckliche Wohnsitz Yasammez‘

shadowmarch_quar_burg_shanenYasammez hatte sich nicht in der labyrinthischen alten Stadt Qul-na-Qar niedergelassen, obwohl ihr dort jederzeit ein Ehrenplatz zugestanden hätte, kraft ihres Blutes und ihrer Taten – und ihrer Bluttaten. Vielmehr stand ihr Haus auf einem hohen Berg im Gebirge Reheq-s´Lai, was etwa soviel hieß wie Wanderwind. Das Haus war, obgleich es fast die gesamte Bergkrone einnahm, aus den meisten Blickwinkeln eher unscheinbar, genau wie seine Herrin. Nur wenn die Sonne im richtigen Himmelsviertel stand und der Betrachter genau im richtigen Winkel hinsah, war zwischen den dunklen Mauersteinen das Funkeln von Kristall und Himmelsstein zu erkennen. In einem allerdings war ihr Haus wie das große Qul-na-Qar: Es reichte tief in den Fels des Berges hinein und besaß eine Menge unterirdischer Räume, von denen ein Geflecht von Gängen ausging wie das Wurzelwerk eines sehr alten Baums. Über der Erde lagen fast alle Fenster hinter geschlossen Läden – jedenfalls wirkte es so. Es trug den Namen Shehen, was »Tränenvergießen« heißt. Da es ein Qar-Wort war, hatte es auch noch andere Bedeutungen – es evozierte ein unerwartetes Ende und auch den Duft jener Pflanze, die in Sonnenscheinlanden Myrte hieß -, aber vor allem bedeutete es »Tränenvergießen«.

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