shadowmarch_chert_flint200Einst war die Südmarksfeste tatsächlich der südlichste Punkt der Marken. Doch nach einer verlustreichen Schlacht war es den Elbenvölkern, die die Menschen das Zwielichtvolk oder die Qar nannten, gelungen, das Königreich der Marken zu zerschlagen. Und zu ihrem Schutz errichteten sie eine Nebelwand, um die Menschen daran zu hindern, sie erneut zu bedrohen. Damals bürgerte sich der Name „Shadowmarch“ oder Schattenmark für die Südmarksfeste ein, lag sie doch gefährlich nah am undurchdringlichen Nebelwall zum Rückzugsgebiet der Elben. Diese Nebelgrenze war strenggenommen jedoch keineswegs undurchlässig: Es gab Geschichten von Menschen, die hindurchgingen – nur kehrten sie nie zurück. Einigen allerdings gelang dennoch die Rückkehr in die Menschenlande. Aber sie konnten nichts darüber berichten, wie es auf der anderen Seite der Nebelgrenze aussah. Sie hatten den Verstand verloren.

Mit einer Ausnahme. Und davon erzählt der erste Teil der Shadowmarch-Trilogie. …

Hinweis: Wer sich die ganze Spannung bewahren will, sollte die weitere Beschreibung nicht lesen.
Aber zuviel wird auch hier nicht verraten, denn das Buch bietet noch viele Rätsel.

Die Qar, denen vor Hunderten von Jahren von den Menschen so viel Unrecht angetan worden war, beschlossen, angestachelt von der finsteren Fürstin Yasammez, die in ihrer tief in den Fels hineingebauten Residenz Shenen lebt, ihre alten Stammlande zurückzuerobern. Ihr Werkzeug sollte ein Menschenkind sein, das sie in ihr Schattenreich gelockt hatten und das sie nun zurückschickten ins Menschenreich.

shadowmarch_burg_gesamt200Dieser namenlose Junge wird durch einen Zufall von Chert gefunden, einem aus dem kleinwüchsigen Volk der Funderlinge, die im Erdreich nach Edelsteinen schürfen. Aus Mitleid nimmt er sich des verwirrten Knaben an, gibt ihm den ehrenhaften Funderlingnamen Flint und sorgt für ihn wie ein Vater. Das Kind ist in der Tat merkwürdig: es spricht nicht, scheint apathisch. Doch das täuscht: mit großer Zielstrebigkeit erforscht er, sehr zum Schrecken seines Ziehvaters, die geheimen und verbotenen Stollen unter der Südmarksfeste, wo der Sage nach der Leuchtende Mann den Berg bewacht.

Weitgehend unbemerkt von diesem Völkchen der Erzschürfer bahnt sich in der Südmark eine Katastrophe an. Gerüchte dringen zur abgelegenen, friedlichen Burg, daß der Autarch, mächtiger Herrscher im Süden, seine Heere zusammenzieht, um gen Südmark zu marschieren.

Doch noch beunruhigender ist eine andere Beobachtung: der Nebelwall, seit Jahrhunderten eine unverrückbare Grenze, beginnt sich zu verschieben. Die Lage in der Burg am Meer ist verzweifelt. Der König war von einer seiner Reisen nicht zurückgekehrt. Es heißt, er sei in Gefangenschaft geraten.

shadowmarch_briony_kleinDie ganze Last der Regierungsgeschäfte, die ganze Last der Verantwortung für Reich und Burg und für ihre Bewohner liegt nun auf den schwachen Schultern der jüngsten Kinder des Königs, Briony und ihrem Zwillingsbruder Barrick.
Sie sind erst fünfzehn Jahre alt, haben sich nie um die Staatsgeschäfte gekümmert, sondern getan, was Kinder eben tun – wilde Wettreiten veranstalten, Kampfspiele mit ihrem Fechtmeister austragen, auf Lindwurmjagd gehen. Nun ist alles anders.
Briony ist ein Mädchen voll Umsicht. Sie ist stark, und sie muß stark für sie beide sein, denn Barrick hat einen verkrüppelten Arm. Wieso es zu dieser Behinderung kam, weiß niemand. Nur Barrick selbst. Doch der schweigt.

Viele bieten ihre Hilfe, ihren Rat an – das Volk der Funderlinge, das unter der Erde lebt; die kleinen Leute, die auf der unüberschaubaren Dachlandschaft der Burg im Verborgenen hausen und sich Dachlinge nennen; die Fischer in ihrer Siedlung am Meer; der weise Arzt und Alchemist Chaven, der sich mit seinem Zauberspiegel zu beraten pflegt; die Stiefmutter; Utta, Brionys Hauslehrerin; Herzog Gailon, der der Prinzessin freche Avancen macht; Ferras Vansen, der Hauptmann der königlichen Garde; der Waffenmeister Shaso dan-Heza – doch wem können die Zwillinge wirklich trauen?

Und da ist noch die Weissagung. Wie alle Orakel ist sie dunkel. Und als Briony schlagartig klar wird, daß die Weissagung auf ihren Bruder zielt und seinen Tod meint, ist es zu spät. Barrick ist bereits mit den Entsatztruppen losgeritten. Kann er trotzdem gerettet werden?

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