Die Entstehung von Shadowmarch
Wie Shadowmarch entstand (von Tad Williams)
»Shadowmarch« hatte wahrscheinlich die merkwürdigste Entstehungsgeschichte von allen meinen Büchern.
Es begann vor einer ganzen Weile - Mitte der Neunziger, wenn ich mich recht erinnere -, als einige ziemlich bekannte Künstler, darunter Roger Dean (der in den Siebzigern diese tollen Plattencover für die Band YES entwarf), mit dem Gedanken spielten, einen Fantasy-Film zu drehen.
| Sie fragten mich, ob ich einige Ideen beinsteuern könnte, was ich tat, doch aus verschiedenen Gründen wurde nichts aus dem Plan. Später kam mir der Gedanke, daß, obwohl ich nicht besonders erpicht auf eine abendfüllende Fantasy war - frühere Versuche wie ,Willow' hatten gezeigt, daß die Schwachpunkte mangelnde Komplexität und zu geringe epische Breite waren -, das Thema sich gut für eine Fernsehserie eignen könnte, wo die Zuschauer genügend Zeit haben würden, die Vielschichtigkeit der Figuren und ihrer Welt kennenzulernen. |
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Ich konzipierte »Shadowmarch« also in Hinblick auf so ein Projekt und meinte, ein einziger Schauplatz würde am besten funktionieren, wie in all den Science-fiction-Filmen, die auf einem Raumschiff spielen, und wenn ich als Schauplatz eine Burg wählte, dann konnte ich eine Menge Figuren auftreten lassen und Szenen erfinden.
Es folgten einige Geplänkel mit Fernsehgesellschaften, doch das führte nur zu folgendem Kommentar eines bekannten SF-Senders: "Warum sollte noch irgend jemand eine weitere Fantasy-Serie sehen wollen? Es gibt doch schon ,Xena'"
Für jemanden, der sich noch so weit zurückerinnern konnte, war das, als würde man sagen: "Wer braucht denn ,Star Trek'? Wir haben doch schon ,Time Tunnel' und ,Land of the Giants'."
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So, angeschlagen, aber unbesiegt, beschloß ich, weil
mir die Figuren und die Grundidee lieb geworden waren,
nach einer Möglichkeit zu suchen, »Shadowmarch« doch
zu realisieren. Da kam mir die Idee einer Fortsetzungsgeschichte
fürs Internet. (Ich habe einen sicheren Instinkt dafür,
wie man kein Geld verdient.) Und das war's dann auch.
Wir entwarfen die Shadowmarch-Website - die immer noch
existiert, Ihr seid herzlich willkommen vorbeizuschauen
unter www.shadowmarch.com.
Nach einigen kostenlosen Kapiteln konnten die, die es
wollten, den Rest des Romans abonnieren.
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Weil mir aber klar war, daß ich an dem Projekt nichts verdienen würde, mußte ich gleichzeitig einen weiteren Roman schreiben, den Blumenkrieg'. Es war faszinierend und eine große Herausforderung, zwei Romanen parallel zu schreiben, wahrscheinlich so ähnlich, wie wenn man sich selbst ohne Narkose operiert. Ich habe überlebt, aber ich glaube nicht, daß ich so was noch einmal mache.
Das Jahr ging zu Ende, die Geschichte wurde zum erstenmal für längere Zeit unterbrochen, und mir wurde klar, daß ich mir kein zweites solches Jahr leisten konnte. Ich stand vor der Entscheidung, die angefangene Geschichte abzubrechen oder ein anderes Format für »Shadowmarch« zu suchen. Ich entschied mich dafür, aus der Geschichte ein richtiges' Buch zu machen.
Der erste Band ist also zum größten Teil die umgearbeitete Version der Internetserie, allerdings mit einer Menge neuem Material - mindestens ein Viertel des ersten Bandes gehört einem neuen Handlungsstrang - und vielen Änderungen und Verbesserungen. Jetzt genieße ich den Luxus, daß ich ohne Zeitdruck herausfinden kann, worum es in der Geschichte eigentlich geht (was etwas anderes ist als die reine Handlung). Und ich weiß jetzt, was hier ganz anders ist als in meinen früheren Fantasy-Romanen. Das ist mir sehr wichtig, denn ich weigere mich, das gleiche Buch zweimal zu schreiben. Es langweilt mich, und ein gelangweilter Autor ist kein besonders guter Autor, um nicht zu sagen, sein Respekt seinen Lesern gegenüber läßt ziemlich zu wünschen übrig.
Jetzt also ist »Shadowmarch« in voller Fahrt. Der erste Band ist lange schon abgeschlossen, und ich bin mitten im zweiten von drei Teilen. Es passiert was. Die Figuren machen überraschende Sachen. Die Handlung mäandert. Vermeintliche Leitmotive werden vermeintlich deutlicher.
Ich bin vor allem froh, daß »Shadowmarch« nach all der Zeit endlich lebt. Nie habe ich ein Projekt so lange mit mir herumgetragen, ehe es die Leser erreichte. Ich bin so glücklich, daß Ihr zu diesen Lesern gehört, vor allem aber, daß »Shadowmarch« jetzt in Deutschland erschienen ist, denn ich habe immer so viel Positives von den deutschen Lesern erfahren.
Ich hoffe, Euch gefällt »Shadowmarch« Die Geschichte wollte schon so lange den Weg zu Euch finden.
Tad Williams
© Copyright by Tad Williams
© deutsche Fassung, Copyright by Klett-Cotta
Verlag Stuttgart
Foto Tad Williams: Marijan Murat (www.remufoto.de),
© Klett-Cotta

Was daraus geworden ist: Shadowmarch als Buch
+ Weitere Infos zu Shadowmarch
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